em. Diakon Josef Rothkopf

Rothkopf_Rom (c) L'Osservatore Romano

Meine ehrenamtlichen Dienste als Diakon mit Zivilberuf in der Gehörlosenseelsorge und Pfarrgemeinde St. Martin Langerwehe

Am 26. September 2026 wurde ich im Hörgeschädigtenzentrum Aachen aus meinem Amt als Diözesanbeauftragter für die Gehörlosenseelsorge verabschiedet. Im vorigen Jahr an meinen 75. Geburtstag endete offiziell meine Tätigkeit als Diakon mit Zivilberuf.

Am 26. September 2026 wurde auch die neue Gehörlosenseelsorgerin, Pastoralreferentin Frau Clara Keck eingeführt. Sie zeigt ein hohes temperamentvolles Interesse bei der Aufgabe im Bistum Aachen zu übernehmen. Dafür bin ich ihr von Herzen sehr dankbar.

Mehr als 25 Jahren war ich Gehörlosenseelsorger für gehörlose und hörgeschädigte Menschen im Bistum Aachen als Diakon mit Zivilberuf sowie auch 22 Jahre als ehrenamtlicher Generalpräses des Verbands der Katholischen Gehörlosen Deutschlands e.V. mit vielen Vorträgen in verschiedenen deutschen Bistümern und auch europaweit unterwegs.

Auch über 13 Jahre gab es enge Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle Behindertenseelsorge der deutschen Bischofskonferenz, das leider 2013 aufgelöst wurde. Dankbar war ich in der engeren Zusammenarbeit mit Frau Dr. Simone bel´Davis, wobei wir den Höhenpunkt in den vielen Vorträgen und Schulungstagen für neue Behindertenseelsorger geprägt haben. Was es heute leider nicht mehr gibt!

Meine Tätigkeit war auch an der David-Hirsch-Schule für Hörbehinderte in Aachen, wobei ich im Religionsunterricht und Aktionstage eng mit den Lehrerinnen Frau U. Kluth und Frau U. Schega zusammengewirkt habe.

Meine Tätigkeit war auch als Referent mit dem Blindenverein Aachen an der Pflegeschule des Klinikums der RWTH-Aachen.

Meine Tätigkeit war auch in dem Arbeitskreis Behindertenseelsorger im Bistum Aachen zum Erfahrungsaustausch, Aktionen und Planung des Heiligtumsfahrt.

Durch all diese Tätigkeiten konnte ich in meiner Pfarrei nur an zwei Orten, Langerwehe und Wenau mitwirken. Für die Hörbehinderten im Bistum an vier Orten (Aachen, Langerwehe, Mönchengladbach und Krefeld) den Wortgottesdienst feiern.

Man sieht ja, dass man vollgepackt ist und dazu mein Beruf im Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) Köln und später Aachen. Dazu Seminarleiter für die gebärdensprachlichen Hörbehinderten der staatlichen Bauverwaltung NRW in Gelsenkirchen bis 2019.

2008 wurde ich als erster Deutscher im engen Kreis, der selbst betroffenen Gehörlosenseelsorgern Weltweit in ihrem Rundschreiben erwähnt.

Danach auch gab es engere pastorale Zusammenarbeit mit den pastoralen Mitarbeitern aus Österreich, Niederlande, Italien und Spanien, wobei ich mehrmals zum Erfahrungsaustausch und Vorträge eingeladen wurde.

Mein größter Erfolg war im Jahre 2008 – 2016 die vielen Reisen nach Rom, Dublin, Leuven, Utrecht, Salzburg, Innsbruck, Zürich, Murcia und Valencia.

Mit der Einladung, 2010, von Erzbischof Zygmunt Zimowski (PL) als Referent auf der „Conference on Pastoral Care in Health“ zum Thema „Ephatha! The Deaf Person: Herald and Witness to the Gospel Message” im Auditorium St. Pius X. im Vatikan.

Die Veranstaltung fand im Juni 2010 statt, die Übernachtung erfolgte im Gästehaus „Domus Sanctae Marthae“. 

Mein Vortrag: „Ephphatha! Der Gehörlose: Verkünder und Zeuge der Botschaft des Evangeliums.“

Durch unseren Zusammenschluss und unsere Öffentlichkeitsarbeit ist der Vatikan auf uns Gehörlose aufmerksam geworden. Wir stehen nun im Blickfeld des Vatikans.

Vor 2010 waren alle Gehörlosen für den Vatikan nebensächlich!

Die nächste Einladung kam vom Vatikan, zum Fest „Jubiläum der Kranken und Behinderte“, es fand am Sonntag, den 12. Juni 2016 auf dem Petersplatz in Rom statt. 7 Tage vor meinen Abflug kam eine Eilmeldung vom Vatikan, dass ich an dem Sonntag am Papstaltar meinen Dienst tun soll mit zwei anderen Diakonen.

Ich stand mit eine Gruppe von Geistigbehinderten vor dem Altar und bediente den Weihrauch. An diesem Morgen regnete es in Rom. Später, während der Hl. Messe hat es aufgehört zu regnen und nach der Messe kam die Sonne langsam raus. Es war ein wunderbarer und erlebnisreicher Gottesdienst für mich. Es wurde das Evangelium "Jesus und die Sünderin" verkündet und dazu von einer Gruppe spielerisch dargestellt.

Auf dem Petersplatz standen viele Dolmetscher/innen für ihre Gruppen bereit.

Es waren Gruppen aus Italien, Spanien, Holland usw.

Leider stand für mich kein Dolmetscher in deutscher Gebärdensprache zur Verfügung, weil die Gruppen ihren Dolmetscher aus ihrer Heimat mitbrachten. Sonst wäre Pfr. Chr. Enke dabei gewesen. Ich konnte nur noch auf die Dolmetscher des Taubblinden sehen, in deren taktile Gebärde, zwischen Dolmetscher und dem taubblinden Pfarrer Cyril Bernhard Axelrod, der jetzt in Macau (China) lebt. Sein Geburtsort war Johannesburg, Südafrika. Damals arbeitete er daran, das Leben von Menschen mit Behinderungen, Gründungszentren und Institutionen für gehörlose Menschen in Südafrika, Großbritannien, Hongkong und Macau zu verbessern. Selbst nachdem er sein Sehvermögen durch das Usher-Syndrom, eine seltene genetische Erkrankung, 2001 das Augenlicht verloren hatte, kommunizierte er mit einer Braille-Tastatur und Fingerzeichen. Ein guter Freund von mir, dem ich öfters in Rom und zuletzt in Utrecht begegnet bin. Axelrod veröffentlichte 2005 eine Autobiografie: „And the Journey Begins“ (Und die Reise beginnt).

In der Predigt auf dem Petersplatz sagte Papst Franziskus was mir so wichtig war:

"Wir müssen mit unserem Schwächen und Krankheiten leben. (…) Die Gesellschaft will es nicht. Deshalb wurden kranke und behinderte Menschen oft versteckt. Versteckt in Heimen oder im Elternhaus. Unsere einzige christliche Antwort ist - nur die Liebe. Durch die Liebe öffnet sich das Leben, das die Kranken und Behinderte sich geliebt fühlen."

So bitte ich Euch alle, Kranken und Behinderten eure Liebe zu zeigen.

Diese ehrenamtliche Zusammenarbeit mit der „International Catholic Foundation for the Service of Deaf Persons“ (ICF), Terry O'Meara (USA) und Sr. Veronica Donatelo (Italien) sowie vielen europäischen Gehörlosen und Gehörlosenseelsorgern hat uns gestärkt.

In der Zwischenzeit wurde in meinem Beisein die Gruppe „Deaf Catholic of Europe“ (DCE) in Rom 2015 gegründet, wobei ich auch im Vorstand mitwirkte.

Endlich ist es so weit: Unsere Vereinigung wird demnächst vom „Dicasterium für Laien, Familie und Leben” des Vatikans anerkannt.

Wir von der Gruppe „Deaf Catholic of Europe“ (DCE) sind dankbar für die mutigen Worte des Papstes Franziskus vom 25. April 2019: „... mehr für die Gehörlosen zu tun.“ und auch das „Enzyklika Caritas in Veritate“ von Papst Benedikt XVI.

 „…die authentische Entwicklung des Menschen in einheitlicher Weise die Gesamtheit des Menschen in allen seinen Dimensionen betrifft”.

Dazu möchte ich noch was loswerden:

Wenn sich so was entwickeln soll, dann muss das für alle passen. Und damit meine ich, dass die Interessen aller Menschen berücksichtigt werden müssen. Und das heißt auch, dass die Interessen jedes einzelnen Menschen berücksichtigt werden müssen.

All das, was ihr in diesem Bericht gelesen habt, hat mich viele Reisen und Zeit gekostet. Ich war dankbar für alles, was ehrenamtlich getan werden musste, die vielen Kontakte und Gespräche.

Ich hoffe, dass dieser Bericht den Menschen helfen wird, meine Reisen zu verstehen, und sie auch faszinieren wird, unabhängig davon, welchen Glauben oder welche Weltanschauung sie haben. Ich hoffe auch, dass es anderen auf ihrer Reise durch das Leben eine Quelle der Ermutigung und des Lichts sein wird.

Danken möchten ich auch den damaligen Diözesanpräses für ihre seelsorgerliche Begleitung:      

- Msgr. Wolfgang Römer (1962-2000)  + 2019
- Pfr. Arnold Jörres (2001-2010).

Dankbar bin ich auch den Pfarrern St. Martin, die für meine ehrenamtliche Arbeit einverstanden waren. Pfarrer Klaus Hellebrandt, Pfarrer Rüdiger Hagens, Pfarrer Heinz Portz und Pfarrer Klemens Gößmann.

Und wünsche dem neuen Pfarrer Otto von Danwitz viel Erfolg in der Gemeinde und Gottes Segen.

Ich bin meiner Frau Brigitte und auch meinen Kindern, Michael und Sandra dankbar, die jetzt Erwachsen sind, die mich geduldig vermisst haben, bei meinem weltweiten Reisen.

Was mich anfeuert, ist mein Weihespruch:

„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“

1Kor 16,14

Josef Rothkopf

em. Diakon

11.10.2026