Vorwort - Pfr. Klemens Gößmann

Juli / August

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Datum:
Do. 25. Juni 2026
Von:
Pfr. Klemens Gößmann

Liebe Mitchristen,

Juli und August sind die Zeit von Urlaub und Sommerferien, für viele die bevorzugte Zeit der Erholung im Jahr. Menschen brauchen Erholung. Ich habe dazu ein wenig recherchiert: Das Gehirn braucht Pausen, um sich von der permanenten Konfrontation und Verarbeitung von Informationen und Reizen zu erholen. Der Körper braucht Pausen, um Stresshormone abzubauen und so auch das Risiko z. B. von Herzkrankheiten zu verringern. Emotionale Ausgeglichenheit kann nur dann entstehen, wenn wir uns Zeit nehmen, unsere Gefühle und Gedanken zu sortieren und verstehen. Wir brauchen Ruhe, um kreativ zu sein, neue Ideen zu entwickeln und Neues zu erschaffen.

Erwachsene sollten zwischen 7 und 9 Stunden täglich schlafen, um sich ausreichend regenerieren zu können. Auch tagsüber ist es wichtig, immer wieder kurze Pausen zu machen. Die sogenannte Pomodoro-Technik wird beispielsweise als beliebte Zeitmanagement-Methode genannt. Sie unterteilt die Arbeit in 25-minütige Intervalle, gefolgt von 5-minütigen Pausen. Nach vier Durchgängen wird eine längere Pause von 15 bis 30 Minuten eingelegt, um die Konzentration zu erhalten und mentale Ermüdung zu reduzieren. Schulferien und Urlaube sind dann längere Zeiten der Erholung, um neue Energie zu tanken. Geschichtlich gesehen ist das aber eine recht junge Entwicklung.

So haben sich Schulferien in Deutschland erst in der Neuzeit von rein zweckgebundenen Arbeitspausen für Erntehelfer hin zu gesetzlich verankerten Rechten auf Erholung für die gesamte Bevölkerung entwickelt. Erste regelmäßige Schulferien entstanden im 16. Jahrhundert und waren keine Freizeit für Kinder, sondern Pausen zur Unterstützung der elterlichen Landwirtschaft. Mit Einführung der allgemeinen Schulpflicht im 19. Jahrhundert wurden feste „Ernteferien“ notwendig, damit Kinder auf den Feldern helfen konnten. Das heutige Schulferiensystem beruht auf dem Hamburger Abkommen vom 28. Oktober 1964, das damals festlegte, dass die Gesamtdauer aller Schulferien pro Schuljahr einheitlich 75 Werktage betragen muss.

Auch ein Recht auf Urlaub gab es lange Zeit nicht. Der erste tarifvertraglich vereinbarte Urlaubsanspruch wurde vom Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter im Jahr 1903 erkämpft: gerade einmal drei freie Tage im Jahr. In der Weimarer Republik (1918–1933) etablierte sich für Arbeiter ein Anspruch von meist drei bis vier bezahlten Urlaubstagen im Jahr. Ein Meilenstein in Deutschland war die Einführung des Bundesurlaubsgesetzes im Jahr 1963. Es garantierte erstmals gesetzlich einen bezahlten Mindesturlaub von 15 Werktagen (ab 35 Jahren 18 Tage) bei einer 6-Tage-Woche für jeden Arbeitnehmer, d.h. 2 ½ bzw. 3 Wochen Urlaub. Heute haben Arbeitnehmer im Durchschnitt 28 bis 30 Tage Urlaub. Im Hinblick auf die Geschichte ist dies ein Grund zur Dankbarkeit.

Beim Denken an die Wichtigkeit von Erholung fällt mir ein berühmter Brief eines großen Heiligen des Mittelalters ein. Der hl. Bernhard v. Clairvaux (1090-1153) schrieb an Papst Eugen III., der früher sein Schüler gewesen war: „Wo soll ich anfangen? Am besten bei deinen zahlreichen Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit dir. Es ist viel klüger, Du entziehst dich von Zeit zu Zeit Deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und Dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem Du nicht landen willst. Du fragst, an welchen Punkt? An den Punkt, wo das Herz anfängt, hart zu werden.“
Auch Jesus gönnt seinen Aposteln Ruhe. So heißt es im Markusevangelium: „Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus!“ (Mk 6, 30-31).

Ihnen eine schöne und erholsame Ferien- und Urlaubszeit.

Ihr Pfarrer Klemens Gößmann