Vorwort - Pfr. Klemens Gößmann

Fastenzeit

Brot und Wasser stehen stellvertretend für das klassische Fasten. (c) www.pixabay.com
Brot und Wasser stehen stellvertretend für das klassische Fasten.
Datum:
Mi. 18. Feb. 2026
Von:
Pfr. Klemens Gößmann

Wieder einmal stehen die 40 Tage der Fastenzeit als Vorbereitung für das kommende Osterfest vor uns. Es soll eine Zeit der Besinnung und Umkehr sein. Uns steht dabei die vierzigtägige Fastenzeit Jesu in der Wüste nach der Taufe durch Johannes den Täufer und zu Beginn seines öffentlichen Wirkens vor Augen (Mt 4,1-11; Mk 1,12-13; Lk 4,1-13).

In dieser Zeit wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Als wahrer Mensch hat er menschliche Versuchungen erlebt; als Gottes Sohn hatte er allerdings die Stärke, keiner Versuchung zu erliegen. So stark sind wir nicht, so dass wir immer wieder zur Umkehr aufgerufen sind, wenn wir den Versuchungen unseres Lebens nicht standgehalten haben.

Am Ende seiner vierzigtägigen Zeit in der Wüste ist Jesus drei besonderen Versuchungen ausgesetzt, die von den Evangelisten Matthäus und Lukas genannt werden. Jesu Antworten machen die Versuchung und die richtige Haltung dazu deutlich:

1) „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ – Die materiellen Dinge sind uns zum Leben geschenkt und wir dürfen dafür dankbar sein. Allerdings sollen wir sie auch nicht überbewerten. Sie sind letztlich durch Gottes Schöpfungswort in die Welt gekommen. Gottes Wort schenkt auch uns letztlich unser Sein. Der materielle Verzicht auf das eine oder andere in der Fastenzeit soll uns daran erinnern und uns helfen, die innere Freiheit gegenüber den materiellen Dingen zu bewahren und ge-gebenenfalls zurückzugewinnen.

2) „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ Wir sind alle in Gottes Hand. Doch er hat uns auch menschliche Kräfte gegeben, die wir nutzen sollen. Wir sollen uns auch nicht unnötig in Gefahr bringen. Wie schon der heilige Ignatius v. Loyola sagt: Handle so, als ob alles von dir und nichts von Gott abhinge. Und vertraue so, als ob alles von Gott und nichts von dir abhinge.

3) „Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.“ Gott und seinen Geboten steht die oberste Priorität zu. Doch wie leicht vergisst man das. Wie leicht halten wir andere Dinge als Gott für das Wichtigste im Leben. Doch wir werden dadurch verletzlich. Wenn der irdische Erfolg ausbleibt – und das tut er immer wieder – kann das aus dem inneren Gleichgewicht bringen. Wer wirklich seinen letzten Halt in Gott hat, in dem wirkt eine tiefe innere und unverlierbare Kraft, denn Gott ist treu und er verlässt uns nie.

Oft leben wir nicht richtig, weil uns die Dinge nicht richtig bewusst sind. So haben wir oft nicht im Blick, dass ein Sich-abwenden von Gott uns immer selbst schadet. So wie wir zwar wissen, dass uns ungesundes Leben krank machen kann, uns dies aber erst wirklich bewusst wird, wenn die ersten Krankheitssymptome auftreten. Ein Weg, um einen Zugang zur Wahrheit des eigenen Lebens und zur Umkehr zu einem besseren Leben zu finden, ist es, nachzudenken und dann auch mit jemandem darüber zu sprechen. Die Beichte ist dazu ein besonderes Angebot, das ich für die Fastenzeit in Erinnerung rufen möchte. Das Wort der Vergebung dort kann sehr befreiend wirken.

Ihr Pfarrer Klemens Gößmann