Liebe Mitchristen,
nach dem Ende der Sommerferien ist nun der Alltag bzw. Schulalltag für viele wieder da. Dieser Septemberpfarrbrief überstreicht den ersten Monat dieser Nachferienzeit. Das pfarrliche Leben läuft wieder an. Erwähnen möchte ich die Buswallfahrt nach Kevelaer am 10. September. Vom 16. bis 18. September sind die Elternabende zum Beginn der nächsten Kommunionvorbereitung. Vom 20. bis 27. September ist Corneliusoktav in Lamersdorf.
Am 22. September beginnt dann auch der Herbst. Von nun an sind die Nächte wieder länger als die Tage. Die Haupterntezeit endet. Ende September bzw. Anfang Oktober feiert die Kirche dann Erntedankfest. Bei uns ist das Anfang Oktober in verschiedenen Gottesdiensten. Ein bisschen geerntet habe ich auch. In meinem Garten in Wenau stehen zwei Apfelbäume und beim Blick auf die reifen Äpfel dachte ich, dass ich doch einige pflücken könnte, um daraus Apfelmus zu machen. Und so tat ich das, entkernte die Äpfel und schnitt sie klein und kochte daraus einige Gläser Apfelmus, das ich gern zu Reibekuchen esse. Das fühlt sich gut an, produktiv gewesen zu sein und das Ergebnis zu sehen, das ich dann auch noch essen kann. Ich habe dann auf den Apfelbaum geschaut, auf dem noch einige Äpfel hängen. Keinen einzigen dieser Äpfel und keinen einzigen zu Apfelmus verarbeiteten Apfel habe ich „gemacht“. Sie wachsen einfach in der Natur am Apfelbaum, wenn genügend Wasser, Licht und Nährstoffe da sind. Und auch das Wasser, das Licht und die Nährstoffe kamen nicht von mir, sondern vom Himmel und aus dem Boden. Die Äpfel sind ein Geschenk der Natur, der Schöpfung und letztlich ein Geschenk Gottes, denke ich. Na ja, immerhin habe ich geerntet und das Apfelmus gekocht. Doch auch da – so wird mir bewusst – bin ich beschenkt: Eine Stehleiter aus dem Geräteschuppen konnte ich nutzen. Die habe ich gar nicht kaufen müssen und schon gar nicht selbst hergestellt. Immerhin habe ich den Apfelpflücker und die Einmachgläser gekauft, aber natürlich auch nicht selbst gemacht. Auch meine Küche, der Kochtopf und anderes Küchengerät habe ich nicht gemacht, ebenso wenig den Strom für die Kochplatte und den Pürierstab – alles steht mir zur Verfügung aufgrund der Arbeit sehr vieler anderer Menschen.
Da kommen mir noch weitere Gedanken zu meinem Beschenkt-sein. Als Christ glaube ich an einen Schöpfer, der mir Körper, Seele und Leben gegeben hat, auch die Eltern, die Familie, die Menschen, die bei meiner Erziehung und Ausbildung geholfen haben, die Gesellschaft und alle, die mir mein Leben ermöglichen. Wenn ich so über mein Dasein nachdenke, so scheint alles Geschenk zu sein. Aber was ist mit meinem Tun, meinen freien Willensentscheidungen, meinem Versuch, Gutes zu tun. Ist da nicht doch etwas „Verdienst“? Doch auch da spielt ja meine Erziehung und das soziale Umfeld eine große Rolle, was mich geprägt hat und zu einem großen Teil zu dem gemacht hat, was und wie ich bin. Auch da bin ich beschenkt, darf aber zumindest etwas mittun.
Ja, wir sind sehr beschenkt von Gott. In der Kirche feiern wir dieses Beschenkt-sein, sagen Danke zu Gott und beschenken uns einander im gemeindlichen Leben, das nur durch gemeinsames Tun und gegenseitige Unterstützung möglich ist. Machen wir uns das immer wieder bewusst, freuen wir uns darüber und versuchen wir, unseren je eigenen Beitrag zu leisten je nachdem, was jemand an Voraussetzungen und Möglichkeiten mitbringt. Darauf hoffe ich und darum bitte ich Sie.
Ihr Pfarrer Klemens Gößmann