Vorwort - Pfr. Klemens Gößmann

Juni

Fronleichnam_dsc_9756_by_Christine_Limmer_pfarrbriefservice (c) Bild: Christine Limmer In: Pfarrbriefservice.de
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Datum:
Di. 26. Mai 2026
Von:
Pfr. Klemens Gößmann

Liebe Mitchristen,
am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiert die Kirche das Hochfest Fronleichnam. In diesem Jahr 2026 fällt es auf den 4.Juni und wird bei uns für alle Indener und Langerweher Gemeinden gemeinsam in Langerwehe gefeiert.

Nach dem Duden-Herkunftswörterbuch hat die Festbezeichnung ihren Ursprung im mhd. „Vron“, das soviel wie heilig oder auch herrschaftlich bedeuten kann, und dem mhd. „lichname“ mit der Bedeutung von Leibeshülle mit späterer Wandlung zur Bezeichnung eines toten Körpers.

Im Mittelalter trat neben der Begegnung mit Christus in der Eucharistie auch der Wunsch, im Schauen des eucharistischen Brotes Christus zu erfahren. Nach scholastischer Theologie ist der auferstandene Christus in den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein immer vollständig und ungeteilt lebendig und personal gegenwärtig, was theologisch auch durch den lateinischen Begriff „per concomitantiam“ mit der Bedeutung von „durch Begleitschaft“ umschrieben wird.

So kam Anfang des 13. Jahrhunderts in Paris der Brauch auf, nach der Wandlung in der Eucharistiefeier die konsekrierte Hostie hochzuhalten und den Gottesdienstbesuchern zu zeigen. Auch die Verehrung und Ausstellung der konsekrierten Hostie außerhalb des Gottesdienstes kam auf.

Im Jahr 1209 hatte die Augustinernonne Juliana von Lüttich eine Vision, in der sie eine Vollmondscheibe mit einer dunklen Stelle sah. Dies sollte ein Hinweis auf die Notwendigkeit eines besonderen Festes zu Ehren der Eucharistie sein. Die Vision wiederholte sich. Die Vision wurde natürlich an die kirchlichen Stellen weitergegeben und war damals sicherlich Gesprächsstoff für viele. Die Frömmigkeitsbewegung der schauenden Verehrung der Eucharistie bekam einen entscheidenden Impuls.

Im Rahmen dieser Entwicklung dogmatisierte 1215 das Vierte Laterankonzil die sogenannte Transsubstantiationslehre, die besagt, dass bei der eucharistischen Wandlung eine Wesensverwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi stattfindet, wobei die äußere Gestalt unverändert bleibt. Im eucharistischen Brot hat der gläubige Christ also auf geheimnisvolle Weise tatsächlich unsichtbar den auferstandenen Christus vor sich. Schließlich wurde Fronleichnam als ein besonderes Fest zu Ehren des eucharistischen Sakraments 1246 von Bischof Robert von Lüttich zunächst für das Bistum Lüttich eingeführt. 1264 schließlich machte Papst Urban IV. Fronleichnam zu einem Fest für die Gesamtkirche. Der baldige Tod von Urban IV. im gleichen Jahr verzögerte die Ausbreitung des Festes dann zunächst. Papst Urban IV. war übrigens Jahre zuvor Archidiakon im Bistum Lüttich und Beichtvater von Juliana von Lüttich und hat die Geschehnisse um die Visionen der Ordensfrau natürlich hautnah mitbekommen und offenbar später nicht vergessen. 1317 schließlich wurde das Fest Fronleichnam von Papst Clemens XXII. bestätigt und endgültig in die Kirche eingeführt.

Die sich entwickelnden Fronleichnamsprozessionen haben schließlich zur Durchsetzung und Rezeption des Festes von unten beigetragen. Solche Prozessionen sind erstmals für Köln zwischen 1274 und 1279 bezeugt. Im 14. Jahrhundert breiteten sie sich rasch aus und erreichten in der Barockzeit ihre höchste Prachtentfaltung, teils mit Prunkwagen mit biblischen Darstellungen. Bis in unsere Zeit hinein werden – wenn auch meist kleiner als in früheren Zeiten – Fronleichnams-prozessionen durchgeführt.

Im Pastoralen Raum Inden/Langerwehe finden die Hl. Messe (9:30 Uhr) und die anschließende Fronleichnamsprozession für alle Gemeinden gemeinsam in Langerwehe statt. Wir beginnen und enden in der Pfarrkirche St. Martin. Herzliche Einladung an Sie, mit dabei zu sein, auch bei der anschließenden Begegnung auf dem Kirchvorplatz.

Pfarrer Klemens Gößmann